Die innere Leere füllen – zum Sinn des Lebens finden

Als der Buddha im Sterben lag und seine Schüler ihn um eine letzte Unterweisung baten, sagte er: „Finde Dein eigenes Licht.“ Diese Aufforderung gilt für jeden von uns. Und sie ist nicht leicht zu erfüllen. Denn sie bedeutet, sich auf die Suche nach dem eigenen Wesenskern zu machen. Und damit das eigentliche Wagnis des Lebens einzugehen: sich auf eine riskante Reise zu begeben und an den Ort zu gehen, wo die ultimative Frage des Lebens auf jeden von uns wartet: Wer bin ich? Alle Weisheitstraditionen und Philosophien dieser Welt versuchen darauf eine Antwort zu geben. Finden jedoch kann diese jeder nur in seinem eigenen Inneren.

Unsere ruhelose Suche nach Sinn

Doch seien wir ehrlich: Die meiste Zeit bevorzugen wir es, an der Oberfläche des Lebens dahinzugleiten. Wir suchen uns Ablenkungen jeglicher Art, um nur ja nicht den Weg in die eigene Tiefe antreten zu müssen. Wir tun alles Mögliche, um das Gefühl der Leere nicht zu spüren, von dem wir immer wieder heimgesucht werden. Und die Konsumgesellschaft trägt ihr Möglichstes dazu bei, unsere innere Leere mit ständig neuen und sinnlosen Produkten zu füllen. Wir schlemmen und shoppen, jagen von einer Befriedigung zur anderen und finden doch keine Erfüllung. Ruhelos streifen wir auf der Suche nach Sinn durchs Leben. Nicht wenigen gerät das Sehnen dabei zur Sucht. Doch auch wenn unsere Sehnsucht immer wieder seltsame Blüten treibt – letztlich hat sie doch nur das eine Ziel: unserem Leben Sinn zu geben. Denn wir spüren es sehr wohl, dass uns einzig die Entdeckung des eigenen Lebenssinns zu einem erfüllten Leben verhelfen kann. „Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben, aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind“, gab uns der Schriftsteller Hermann Hesse mit auf den Weg.

Welchem Stern folge ich?

Herausgefallen aus dem traditionellen Sinngebäude der Religion, das den Menschen früher noch Halt gab, machen wir uns heute auf die Suche nach neuen Lebensinhalten. Das wachsende Interesse an der Spiritualität ist deutlicher Ausdruck dieses Strebens nach Selbsterkenntnis in der modernen Welt, deren Materialismus die tiefergehende Sehnsucht des Menschen nicht befriedigen kann. Die entscheidenden Fragen bleiben: Wofür lohnt es sich morgens aufzustehen? Was inspiriert mich? Was ist meine Berufung, meine eigentliche Lebensaufgabe? Was ist das ganz Eigene, das durch mich in die Welt gebracht werden will?

Jeder Mensch trägt die Fähigkeit zu einem gelingenden Leben in sich. Jeder hat Begabungen, auch wenn sie noch unentdeckt sind. Jeder hat eine Lebensaufgabe, auch wenn er sie noch nicht gefunden hat. Es ist an jedem von uns, herauszufinden, was das Leben von ihm will, sich zu fragen: Was sind meine Talente, meine Fähigkeiten, die ich der Welt zur Verfügung stellen kann? Was ist meine Lebensvision? Welchem Stern folge ich auf meiner Lebensreise?

Die Hingabe an etwas Größeres

Jeder Mensch trägt den Willen zum Sinn in sich. Er braucht etwas oder jemanden, für das oder den es sich zu leben lohnt. Menschsein weist immer über sich selbst hinaus, auf eine höhere Aufgabe, die es zu erfüllen gilt. „Es kommt nicht darauf an, was wir vom Leben wollen, sondern was das Leben von uns will“, schlussfolgerte daher der Psychologe Viktor Frankl. Erst im Dienst am Leben und in der Liebe zu anderen wird der Mensch ganz Mensch. Das sind die Grundbedingungen für ein gelingendes Leben: sein Potenzial als Mensch entfalten zu können und sich dabei anderen Menschen verbunden zu fühlen. Jeder von uns kennt das Gefühl, mit ganzem Herzen für eine Sache zu brennen, begeistert zu sein von dem, was man tut, sich mit vollem Engagement für etwas einzusetzen, gemeinsam mit anderen Menschen über sich selbst hinauszuwachsen und sich in Liebe verbunden zu wissen. ‚Selbsttranszendenz‘ nannte Viktor Frankl diese Fähigkeit des Menschen, aus sich herauszutreten und in der Hingabe an etwas Größeres aufzugehen. Dies sind die wesentlichen Momente unseres Menschseins. Je mehr wir davon erleben können, desto erfüllter erfahren wir unser Leben. Wir fühlen uns geborgen und aufgehoben in etwas, das weit größer ist als wir selbst. Es ist eine Heimkehr in den tiefen Urgrund des Lebens.

Meditation: Wer bin ich?

Wer bin ich in meinem tiefsten Wesen? Durch den indischen Weisen Ramana Maharshi wurde die Meditation der Selbst-Befragung auf der ganzen Welt bekannt. Sie ist fester Bestandteil der indischen Yoga-Tradition, insbesondere des Jnana-Yogas, dem Yoga der Erkenntnis. Die Selbst-Befragung ist ein meditativer Vorgang, bei dem der Gedanke bis zu seinem Ursprung im Herzen zurückverfolgt wird. Die Antwort liegt jenseits unseres Ichbewusstseins. Sie ist einzig im göttlichen Kern unseres Wesens zu finden. „Wer bin ich?“ Mit dieser wiederholten Frage wird die Meditation zu einem Weg nach innen, zu einem Weg zu uns selbst. Frage dich bei jedem Einatmen immer wieder: Wer bin ich? Wahrscheinlich findest Du jede Menge gedankliche Antworten darauf: Ich bin ein Mann, eine Frau, Mutter, Sohn, Deutscher, Christin, Buddhist, ich bin Künstler usw. Gib Dir so viele Antworten, wie Dir in den Sinn kommen. Schließlich, wenn alle Antworten gegeben sind, alle Rollen, die Dich definieren, genannt wurden, wird Dein Denken an Grenzen stoßen. Keine dieser Antworten hat letztlich ausgedrückt, was Du im tiefsten Grund Deines Wesens bist. Stelle Dir daher in jeder weiteren Meditation die Frage erneut. Sie führt Dich immer tiefer in Deinen Wesenskern, dorthin, wo alles seinen Ursprung nimmt. Allein dort finden wir den wahren Sinn des Lebens. Wer also bist Du?

Aus: Der spirituelle Notfallkoffer. Erste Hilfe für die Seele. Von Christa Spannbauer und Katharina Ceming. Trinity Verlag 2015

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