Stagnation überwinden – der Aufbruch zu neuen Ufern

Das einzig Sichere in einer Welt des Wandels ist die Veränderung. „Alles fließt“, lehrte schon der griechische Philosoph Heraklit vor 2500 Jahren und schlussfolgerte: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Doch wie können wir uns dem Fluss der Veränderung anvertrauen, ohne Angst haben zu müssen, in seinen Fluten unterzugehen? Woher nehmen wir den Mut, das Festland zu verlassen und neuen Horizonten entgegenzusegeln?

Veränderung wagen
Wenn wir am Leben teilhaben wollen, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns auf diesen Prozess der Veränderung einzulassen, in dessen Verlauf wir immer weniger der bleiben, der wir einmal waren, und immer mehr zu dem werden, der wir wirklich sind. Das erfordert zweifelsohne Mut. Wer zu neuen Ufern aufbrechen will, braucht eine gesunde Portion Risikofreude und die Bereitschaft, die eigene kuschelige Komfortzone immer wieder zu verlassen. Natürlich fallen einem da gleich jede Menge gute Gründe ein, dies nicht zu tun. Doch wir sollten uns ehrlich fragen, ob unsere altbewährten Argumente – „Dafür bin ich nun wirklich zu alt… Ich habe keine Zeit… Es fehlt mir das Geld“ – nicht nur Ausreden sind, mit denen wir uns vor dem lange fälligen Aufbruch drücken.
Wir haben einfach viel zu viele Vorstellungen davon, wer wir sind, wie wir sind und warum wir so sind. Wir schleppen den Ballast eines ganzen Lebens mit uns herum. Und wir glauben noch immer das, was unsere Eltern einst über uns sagten. Wir haben die alten Glaubenssätze verinnerlicht und gehorchen den Verboten aus unserer Kindheit. Doch wer sind wir wirklich?

Frage Dich einmal ganz ehrlich: Bist Du bereit für Neues? Unterstützt Dein Partner bzw. Deine Partnerin Deinen Entwicklungs- und Wachstumsprozess? Denn für ein erfülltes Leben brauchen wir beides: Geborgenheit und Freiheit. Wir brauchen Nestwärme und zugleich die Freiheit, die Flügel auszubreiten und loszufliegen. Anstatt nur Besitzstandwahrer bleiben, könnten wir zu Potenzialentfaltern werden. Wir könnten uns für neue Denk- und Erfahrungshorizonte öffnen, unsere Gestaltungskraft, Kreativität und Entdeckerfreude mit Begeisterung nutzen, die Autobahnen unserer neuronalen Verschaltungen verlassen und frische Pfade in die graue Masse unserer Gehirnwindungen graben.

Der Freiheit entgegengehen
„Gehen Sie mindestens ein Mal im Jahr an einen Ort, an dem sie noch nie waren“, empfiehlt der Dalai Lama für ein glückliches Leben. Innere und äußere Entwicklung beginnt am besten im Neuland, wenn wir aufbrechen zu neuen Ufern. Wer bin ich denn, wenn alles, was mich definiert, wegfällt? Wenn mich niemand kennt und keiner meine Sprache spricht? Macht es mir Angst? Oder kann ich unter der Unsicherheit eine neue Freiheit spüren, die sich zaghaft ans Licht strampelt? In der Fremde können wir bislang nicht gelebte Aspekte unserer Persönlichkeit entdecken. Wir können uns gleichsam neu erfinden. Zuhause, in den altvertrauten vier Wänden, ist dies ungleich schwerer zu bewerkstelligen. Zumal unsere Familie, Partner und alte Freunde ganz genau zu wissen scheinen, wer wir sind – und das sogar dann, wenn wir es selbst nicht mehr wissen und deutlich spüren, dass wir schon längst jemand anderes geworden sind. Frage Dich einmal ehrlich: Was ist es, was ich mich auszuleben fürchte? Was ist es, was mich wirklich lockt?

Das Alte loslassen
Um sich selbst ehrlich zu erforschen und in einer tiefen Art und Weise neu zu entdecken, lehren die spirituellen Weisheitslehren aus Ost und West das Loslassen alter Konzepte und Vorstellungen. Dies beinhaltet, sich immer wieder der Frage zu stellen: „Wer bin ich jetzt?“ Denn um Neues zu entdecken, müssen wir uns erst einmal von alten Mustern und Prägungen befreien. Neues braucht Freiraum, um sich entfalten zu können. Hierbei ist es hilfreich, sich von Altem zu trennen. Lassen Sie frische Luft in Ihr Leben! Befreien Sie Ihre Wohnung von überflüssigem Ballast. Der östlichen Wohnlehre des Feng Shui zufolge können wir uns an einem Ort, vollgestopft mit Altem, gar nicht für einen Neuanfang öffnen. Wie auch sollte in einem Haus, be- und überfrachtet mit der Vergangenheit, das Neue einen Fuß in die Tür kriegen?

Sich dem Abenteuer Leben öffnen
Es gilt, den Aufbruch zu wagen. Hierfür kommen wir nicht umhin, das Gewohnte, Vertraute und damit auch Schützende zurückzulassen. Uns in die Unsicherheit hineinzubegeben. Vertrauen in das Leben zu fassen. „Ich setzte einen Fuß in die Luft und sie trug“, so poetisch beschrieb Hilde Domin dieses zarte und zugleich waghalsige Vertrauen, das wir ins Leben brauchen. Die Erlaubnis zum Leben kann sich jeder nur selbst geben. Niemand anderes. Tu es! Öffne Dich dem Leben! Und kämpfe für Dein Leben!

Das Zen empfiehlt hierfür die innere Haltung des „Anfängergeists“: Jedem Augenblick ganz bewusst neu begegnen und sich immer wieder der Frage zu stellen: Was ist JETZT? Denn es ist immer der gegenwärtige Augenblick, der uns in die Mitte des Lebens führt. Wenn wir uns ihm anvertrauen, kann uns weder die Zukunft schrecken noch die Vergangenheit belasten. Wir können die gesamte Fülle des Daseins mit all seinen Freuden und Leiden, den Höhen und Tiefen mit einem offenen Herzen auskosten, unser volles Potenzial als Mensch entfalten und unser Leben als das wertschätzen, was es ist – ein einzigartiges und großartiges Abenteuer.

Feng-Shui-Übung: Wohnung entrümpeln
Entrümpeln befreit Seele und Geist von unnötigem Ballast und setzt neue Energien in uns frei. Wir schaffen Platz für Neues, befreien uns von Veraltetem und Belastendem und schaffen durch die äußere Ordnung zugleich eine innere Ordnung.

Vielleicht möchtest Du noch heute damit beginnen, eine Ecke in Deiner Wohnung von unnötigem Krimskrams zu befreien. Arbeite Dich in der nächsten Zeit in kleinen Etappen kontinuierlich durch Deine Wohnung. Befreie deinen überquellenden Schreibtisch von nicht mehr benötigten Notizen und veralteten Dokumenten. Räume Deinen Kleiderschrank aus und gib alle die Kleider weg, die du im letzten Jahr nicht getragen hast. Du wirst sie auch in diesem Jahr nicht tragen. Und überlege Dir doch bei jedem neuen Kauf, ob Du die Dinge wirklich benötigst. Wir sollten aufhören, Dinge zu horten, die uns später doch nur im Wege herumstehen und uns auf unserem Lebensweg behindern.

Aus: Der spirituelle Notfallkoffer. Erste Hilfe für die Seele. Von Christa Spannbauer und Katharina Ceming. Trinity Verlag 2015

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